Mit einem Teilzeitstudium zum Traumjob
Einen Beruf ausüben und parallel ein Studium absolvieren? Das geht - dank neuer Teilzeitstudiengänge.
VON SABINE MECK.
Interesse an einem Fachgebiet, neue berufliche Anforderungen, persönliche Karriereziele - es gibt viele Gründe für die Rückkehr an eine Hochschule. Neben dem klassischen Fernstudium bieten Hochschulen seit einigen Jahren auch berufsbegleitende oder duale Studiengänge an. Diese Teilzeitstudiengänge richten sich vorrangig an Menschen, die bereits im Beruf stehen, aber auch an jene, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen familiärer Verpflichtungen lieber Teilzeit studieren möchten. Auch die Hochschulgesetzgebung wurde in den vergangenen Jahren dem Bedürfnis nach lebenslangem Lernen angepasst und durchlässiger gestaltet. Berufliche Erfahrung gilt nun als eine Schlüsselqualifikation für das Studium. So kann man inzwischen bei entsprechender Berufserfahrung auch mit einem mittleren Schulabschluss studieren.
Synergien nutzen
Eine relativ neue Form des Teilzeitstudiums ist - neben den berufsbegleitenden Bachelor- und den postgradualen Masterstudiengängen - das duale Studium, das eine Berufsausbildung mit dem Bachelorstudiengang verbindet. Die Grundidee dabei ist, dass man Synergien nutzen kann. Dadurch spart man bei diesem Konzept deutlich Zeit ein, ohne an Bildungsqualität einzubüßen. Berufspraxis und Studium sind organisatorisch und curricular miteinander verzahnt, als Bildungsinstitutionen treten der Betrieb und die Hochschule auf. Von der Berufsausbildung zum Studium - das ist trotzdem ein Sprung in eine andere Lebenswelt. Gute Hochschulen bieten deshalb Veranstaltungen an, um den Übergang zum akademischen Lernen, Denken und Forschen zu erleichtern.
Jeder, der sich für ein Teilzeitstudium interessiert, sollte sich vorab darüber im Klaren sein, dass dieses eine hohe Belastung darstellt. Es kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit - Zeit, die für Familie, Freunde oder Hobbys fehlt. Zwei Dinge sind also bei einer Entscheidung für ein solches Studium besonders wichtig. An erster Stelle steht eine hohe Motivation. Es reicht nicht, nur an die Karriere zu denken oder den Anforderungen des Vorgesetzten gerecht werden zu wollen. Ebenso wichtig ist die Absprache mit der Familie, dem Partner und allen anderen Menschen, die in die Lebensplanung involviert sind. In der Regel finden die Studienangebote an Wochenenden oder als Blockunterricht statt. Ein hoher Anteil des Stoffes muss in Selbstlernphasen bewältigt werden. Eine gute Hochschule sorgt auch dabei für intensive Betreuung und für entsprechendes Unterrichtsmaterial.
Warum soll man sich trotzdem für ein Studium entscheiden und nicht auf Weiterbildungsmaßnahmen beschränken? Weil ein Studium nicht nur für den Berufsmarkt attraktiv macht, sondern weil es auch zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Ein Studium ist immer auch mit Forschung verbunden und eröffnet oft ganz neue geistige Horizonte. Zudem erweitert es die sozialen Netzwerke und stärkt die soziale Kompetenz.
Wer berufstätig ist und sich für ein berufsbegleitendes Studium entscheidet, verschafft auch seinem Unternehmen einen Vorteil: Er bringt aktuelles Fachwissen ein, kann in Projekten unternehmensspezifische Fragen wissenschaftlich und dennoch praxisrelevant bearbeiten. Deshalb ist es häufig sinnvoll, den Arbeitgeber zu fragen, ob er bereit sei, das Teilzeitstudium zu fördern.
Prof. Dr. Dr. Sabine Meck, Leiterin des Instituts für Financial Behavior und Ethik an der Steinbeis-Hochschule Berlin
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 01.12.2011; Beilage "Qualifikation und Weiterbildung", Nr. 280, Seite B1
